Symposium Anderwelten/Otherworlds: Übergänge zwischen Welten

26.10.2017 15:06

Eine Veranstaltung des Kompetenzzentrums Kulturelle Topographien in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Collegium Helveticum

 

Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Binarismen – Strukturalismus und Kybernetik, die 0/1-Logik des Computers, die perverse Logik des Grabenkriegs, die geopolitischen Spaltungen des Kalten Krieges, West und Ost, Nord und Süd, Kapitalisten und Arbeiter, Weiss und Schwarz, Männer und Frauen. Obwohl die Kritik am binären Denken fast so alt ist wie dieses selbst, blieb es bis ins späte 20. Jahrhundert dominant, wird aber im Angesicht der Komplexität moderner Lebenswelt(en) zunehmend abgelöst vom Denken in Pluralismen, dynamischen Prozessen und ‚fuzzy logic’. Greifbar wird diese Komplexität in der Imagination paralleler oder multipler (möglicher) Welten mitsamt den Übergängen zwischen diesen Welten und verbunden mit der Frage nach deren Wirklichkeit (Jenseits und Unterwelt,
narrative Weltentwürfe, multidimensionale Räume). Zu welchem Grade handelt es sich hier um symbolische oder metaphorische Vorstellungen, und wie imaginieren und visualisieren wir diese teils hoch abstrakten Dimensionen von Welt?

Der Fokus auf fiktionale Anderwelten eröffnet einen neuen Zugang zur Komplexität der Lebenswelt, gerade dann, wenn mehr als eine Welt innerhalb der fiktionalen Welt dargestellt wird und die Übergänge zwischen diesen Welten thematisiert werden. Dies ist heuristisch aufschlussreich, da der Binarismus von Lebenswelt
und fiktionaler Welt umgangen und eine Form der Triangulation bzw. der Pluralisierung eingeführt werden kann - ein Rahmen, der es ermöglicht, die imaginierten Welten zu vergleichen, ihre Differenz und Stabilität zu prüfen sowie zu fragen, ob die Übertritte die Welten verändern, oder ob diese gar ineinander verschwimmen und so als Facetten einer einzigen, vielseitigen und hochkomplexen Realität erkennbar werden. Dieser Ansatz
integriert philosophische, kognitive, naturwissenschaftliche und ästhetische Aspekte mit dem Ziel eines tieferen Verständnisses unserer Lebenswelt, hat aber auch eine politische Dimension, da wir uns den negativen Folgen einer mehr oder weniger gewaltförmigen Abschottung von Welten zu stellen haben.

Programm [PDF (5.4 MB)]